
Werden Tablets und Smartphones die eingebauten Bildschirme bald ganz ersetzen? (Foto: iStock.com/atosan)
Im Kampf um den Spitzenplatz unter den Airlines geht es nicht nur um größere Maschinen, größere Sitze und größere Kabinen. Wer die beste Airline der Welt sein will, muss seinen Passagieren auch guten Service bieten. Die Bordunterhaltung ist vielen Passagieren deshalb wichtig, nicht nur weil es einfach ärgerlich ist, wenn es technische Probleme gibt und das Entertainment-Programm mitten im Film zusammenbricht. Emirates mit seinem Programm ICE mit 2500 Programmen und Live-Kanälen oder Singapore Airlines mit einer Auswahl an 1000 Filmen setzen neue Maßstäbe in Sachen Home-Kino über den Wolken. Keine Fluggesellschaft kann heute mehr auf den Bildschirm im Sitz verzichten. Oder doch?
American Airlines tut genau das. Wie der Economist berichtet, wird die neue Flotte der Boeing 737Max keine kleinen Privat-Bildschirme mehr haben. Dafür rüstet die Airline die Kabinen mit WLAN-Servern aus. Auf Kurz- und Mittelstrecke-Flügen – die innerhalb der USA ja durchaus mehrere Stunden dauern können – nutzen die Gäste deshalb das Unterhaltungsprogramm, das sie selbst mitbringen. „Bring-your-own-device“ heißt dieses Prinzip, das American Airline nutzt und viel Geld spart. In einem Schreiben an die Mitarbeiter das an die Öffentlichkeit geriet, sagte die Fluggesellschaft, dass mehr als 90 Prozent der Passagiere sowieso ihre eigenen Smartphones und Tablets mit an Bord bringen würden.
Viele Passagiere nutzen das Smartphone jedoch als sogenannten „Second Screen“. Der Trend, dass Menschen währen des Fernsehens noch das Tablet oder das Smartphone im Einsatz haben, greift Lufthansa auf und schafft ein zusätzliches Service-Angebot. Wer mit dem neuen A350 reist, kann sich mit der Companion App bereits mehrere Wochen vor Abflug einen Überblick über das Unterhaltungsangebot machen und sich eine individuelle Playlist zusammenstellen. An Bord wird das Smartphone dann mit dem Bord-Bildschirm synchronisiert. Das eigene Gerät dient dann als Fernbedienung oder eben als Second Screen über den die Gäste Fluginformationen abrufen oder über das FlyNet-WLAN an Bord in sozialen Netzwerken unterwegs sein können.
Auch in der Lufthansa-Tochter Eurowings gibt es seit Sommer 2016 eine App, mit der die Gäste Bordunterhaltung auf ihrem eigenen Endgerät anschauen können - jedoch gegen Gebühr. Viele Airlines bieten außerdem in der Zwischenzeit einen WLAN-Dienst an. Bei Emirates ist der Internetzugang kostenlos, ebenso bei den Europaflügen des Billigfliegers Norwegian. Bei vielen anderen müssen die Gäste Datenpakete kaufen. USB-Anschlüsse sind bei vielen Airlines inzwischen Standard.
Die individuelle Bordunterhaltung auf dem eigenen Smartphone hat dabei viele Vorteile. Kein Mainstream-Programm kann eine vom Fluggast selbst nach seinen Wünschen zusammengestellte Playlist ersetzen. Außerdem sparen die Airlines Geld, denn die Passagiere selbst sorgen für das Update der Inhalte und der Hardware. So gibt es auch weitere Konzepte, mit denen auf den First Screen, also den Bildschirm im Vordersitz, ganz verzichten und dafür Tablet-Halterungen eingebaut werden auf denen die Passagiere Filme streamen und sich Zeitungen und Bücher an Bord downloaden. Der Wettlauf der großen Airlines wird sich in Zukunft deshalb wohl nicht mehr um das größte und beste Unterhaltungsprogramm drehen, sondern um das schnellste und günstigste Internet über den Wolken.
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